30. November 2007
Entführter Priester Daniel Savci in Türkei wieder frei
Der syrisch-orthodoxe Abt Edip Daniel Savci des Klosters St. Jakob, welcher am Mittwoch bei Midyat in der Türkei entführt worden war, konnte von Sicherheitskräften in der Region Batman aus den Händen seiner Entführer befreit werden. Radio Muezzin veröffentlicht offenen Brief von Vertretern der Syrisch-orthodoxen Kirche und der Aramäer an den türkischen Botschafter in Berlin.
Ob die Entführung von Abt Daniel Savaci einen religiösen Hintergrund hat, oder ob Lösegeld gezahlt wurde, ist zur Stunde unbekannt. Allgemein gelten die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Südosten der Türkei als gut, wie Radio Vatikan mitteilt (1) - abweichend die Berichterstattung von KATH.NET (2).
Ein anderes Bild der Situation von syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei schildern Aslan Karatas, Vorsitzender der Erzdiözesenrat der Syrrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland, und Gabriel Mutlu, Vorsitzender der Föderation der Aramäer Suryoye in Deutschland (FASD), welche sich, im Zusammenhang mit der Entführung von Daniel Savci, mit einem offenen Brief an Mehmet Ali Irtemcelik, den türkischen Botschafter in Deutschland, gewandt haben:
Sehr geehrter Herr Irtemcelik,…
Botschafter Mehmet Ali Irtemcelik
Botschaft der Republik der Türkei
Rungestr. 910179 Berlin
30.11.2007
Sehr geehrter Herr Irtemcelik,
Mit Empörung und Bestürzung haben wir von der Entführung am 28. 11. 2007 Klostervorstehers Abt Edip Daniel Savci aus dem Kloster St. Jakob von Saleh bei Midyat erfahren.
Wie wir immer häufiger feststellen müssen, werden die aramäischen Christen von aufgehetzten und ihre geleiteten Menschen verfolgt und getötet. So ist diese Entführung kein Einzelfall, sondern sie ist nur die Spitze in einer Entwicklung, deren Planmäßigkeit wir nicht unterschätzen dürfen.
Obwohl die Aramäer (Suryoye) loyale und treue Staatsbürger der Türkei sind, werden sie von interessierten Gruppierungen immer in die Ecke von Staatsfeinden gestellt. Allein das ist schon eine Beleidigung für sie, die sie sich bemühen durch Fleiß und Treue am Aufbau und an der Entwicklung eines modernen türkischen Staates mitzuarbeiten.
In der Bundesrepublik Deutschland leben allein über 80. 000 Christen, die aus dem Tur-Abdin Südosttürkei eingewandert sind. Sie haben ihre Heimat nicht vergessen und tragen schwer an dem Schicksal der dort lebenden Schwestern und Brüder.
Wir bedauern, dass immer wieder durch christenfeindliche Aktionen in der Türkei, das Bild dieses Landes in der Weltöffentlichkeit in Misskredit gerät. Die Entführung des Mönches erhöht nicht das Image der Türkei in der Weltöffentlichkeit. Wir müssen daher fordern, dass die staatlichen Behörden in der Türkei das Verbrechen aufklären und die Täter mit aller Strenge zur Verantwortung ziehen. Schließlich sind Christen keine Kapitalisten, die aus dem Stand 300. 000,- € zur Verfügung haben. Das Kloster ist eine Gemeinschaft, die sich der Armut verpflichtet hat.
Das trifft in besonderer Weise auf Abt Edip Daniel Savci zu, der das Gelübte der Armut abgelegt hat und über keinerlei Vermögen verfügt. Das gilt ebenso für seine Mitbrüder im Kloster.Wir sind sehr traurig darüber, dass Christen, die sich um Humanität und Menschlichkeit bemühen, von radikalen und unbelehrbaren Verbrechern verfolgt werden. Unser Wunsch ist, dass auch die türkische Republik, die den Eintritt in die EU anstrebt, jede Anstrengung unternimmt, dass allen Religionen die volle Gleichberechtigung zuerkannt wird.
Die Entführungsaktion ist nicht dazu angetan, die dort lebenden Christen in ihrer Sicherheit zu stärken. Sie leben voller Angst und Sorge über die künftige Entwicklung. Alle Bemühungen, auch der türkischen Regierung, diese Heimat wieder lebens- und liebenswert zu machen, werden hiermit vernichtet. Die Christen wandern ab. Dass sie in ihrer Heimat bleiben, liegt auch im Interesse der Türkei. Sie verliert sonst ein wesentliches Erbe aus der Weltgeschichte.
Wir vermuten, dass diese gezielte Aktion darauf gerichtet ist, alle Friedensbemühungen zu torpedieren und diejenigen, die sich für das hohe Ziel einer friedlichen und menschenwürdigen Gesellschaft einsetzen, zurückgedrängt werden.
Verehrter Herr Botschafter, wir fordern Sie auf, alles zu tun, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird. Wir vertrauen darauf, dass Sie in diesem Sinne auf Ihre Regierung in Ankara einwirken und alles tun werden, dass auch Aramäer (Suryoye) in ihrem Heimatland Türkei in Frieden und Freiheit leben können.
Dieses Schreiben werden wir an die öffentlichen Institutionen der Bundesrepublik und der EU versenden.
Hochachtungsvoll
Aslan Karatas
Vorsitzender der Erzdiözesenrat der Syrrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in DeutschlandGabriel Mutlu
Vorsitzender der Föderation der Aramäer Suryoye in Deutschland (FASD)Herrn Bundespräsidenten
Herrn Präsidenten des Deutschen Bundestages
Bundesregierung, z. Hd. Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Herrn Präsidenten Pöttering des europäischen Parlamentes in Straßburg
Herrn Vorsitzenden der europäischen Kommission in Brüssel
Quellen:
1) Radio Vatikan - Türkei: Geistlicher befreit
2) KATH.NET - Syrisch-orthodoxer Abt in der Türkei entführt
Der offene Brief an den türkischen Botschafter Mehmet Ali Irtemcelik, wurde heute um 15:36 Uhr dem Autor von Radio Muezzin per Email zugesandt.
Mannheim, den 30.11.2007, 16:32 Uhr.
Posted in Christen, Priester, Türkei on Nov 30th, 2007 by Wilhelm Entenmann
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